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Pressespiegel
04.06.2004
"Der Gereizte" - Einst BBC, dann Alstom: Udo Belz weiß als Betriebsratschef, wie Beschäftigte zwischen europäische Fronten geraten
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 Der Gereizte

Vermisste Champions: Starke Gemeinschaftskonzerne bringen Deutschland und Frankreich kaum zu Stande - das ökonomische Führungsduo in der EU bekämpft sich lieber. Das zeigen die Geschichte - und die aktuellen Konflikte bei Sanofi-Aventis und Alstom.FRplus Wirtschafts-Thema: deutsch-französische lndustriepolitik.

Einst BBC, dann ABB, nun Alstom: Udo Belz weiß als Betriebsratschef, wie Beschäftigte zwischen europäische Fronten geraten

VON WINFRIED WOLF

An Angeboten für die Übernahme von Alstom mangelt es nicht. Der französische Konzern mit den Schwerpunkten Kraftwerkbau, Bahntechnik und Werften beschäftigt derzeit 100 000 Menschen, davon 7000 in Deutschland. Die Offerte der Konkurrenz aus München lehnt Udo Belz, Konzernbetriebsratsvorsitzender von Alstom Power Deutschland, dankend ab: "Die Stimmung in der Belegschaft ist absolut gegen Siemens." Als Hauptgrund nennt er flächendeckende Überschneidungen. "Siemens hat ein Dampfturbinenwerk in Mülheim - wir haben eins in Mannheim. Siemens hat ein Gasturbinenwerk in Berlin. Wir haben eins in Mannheim. Siemens hat sein Bahntechnikwerk in Krefeld, Alstom das seinige in Salzgitter." Nach einer Übernahme würden tausende Stellen vernichtet, in beiden Unternehmen.

Im Machtkampf Alstom-Siemens sieht Belz eine weitere Stufe der Konzentration im Turbinenbau, in dem es auf dem Weltmarkt ohnehin nur noch vier Anbieter gibt: General Electric (USA), Siemens, Alstom und Mitsubishi Heavy Industrie. Im Lied der neuen CD Unsere chance: résistance von Alstom-Mannheim-Beschäftigten klingt das so: "Das ist das Lied vom Monopoly / Das spielen die von der Industrie / Am grünen Tisch. Doch bei der Partie / Gewinnen die immer. Verlieren sie nie."

Vor zwei Wochen äußerte der Vorstandsvorsitzende von ABB, er habe ebenfalls Interesse an Alstom. Belz reagiert gereizt: "Der Scheißladen hat uns ausgenommen und verkauft. Gegen eine solche Übernahme wehren wir uns bis zum Gehtnichtmehr." Der 47-Jährige arbeitet seit 33 Jahren im Werk. Er hat die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse, die das Unternehmen durchlief, persönlich und hautnah erlebt - von 1971 an als Elektriker, 1978 dann als Betriebsrat, seit 1992 als Betriebsratsvorsitzender, seit 1999 als Chef des Konzernbetriebsrats. Als 1988 das bis dahin schweizerische Unternehmen Brown, Boveri & Co (BBC) mit dem schwedischen Konzern Asea zum schwedisch-schweizerischen Gemeinschaftsunternehmen Asea Brown Boveri (ABB) fusionierte, begann Belz zufolge die bitterste Zeit für die Belegschaft: "Unser jetziger Eigentümer, Alstom in Paris, hält immerhin geschlossene Verträge ein. Beim ABB-Management galten Betriebsvereinbarungen nichts."

Unser jetziger
Eigentümer,
Alstom in Paris,
hält immerhin
geschlossene
Verträge ein. Beim
ABB-Management
dagegen galten
Betriebsverein-
barungen nichts.

Weltweit wurden 1989 bis 2000 rund 70 000 Arbeitsplätze vernichtet. Der Konzern habe sich "zu Tode restrukturiert", sagt Belz. Die "zusammengesparte Substanz von BBC" sei "ausgesaugt und verhökert" worden - "bis keine Substanz mehr da war". Ganze Geschäftssparten und Sektoren wurden verkauft - so die Bahntechnik, die heute Teil des Bombardier-Konzerns ist. Das brachte jeweils kurzfristigen Gewinn: ABB war zu einem Zeitpunkt am Shareholder Value orientiert, als den Begriff in Europa noch kaum jemand kannte. Die Wirtschaftspresse war voll des Lobes; der ABB-Vorstandsvorsitzende Göran Lindahl wurde 1999 vom US-Blatt Industry Week als erster Nicht-US-Konzernchef zum "CEO of the Year" ernannt. Doch 2002 stand ABB am Rande des Konkurses. Der Kraftwerksbau in Mannheim ging an Alstom.

Im Streit zwischen Berlin und Paris befindet sich die deutsche Alstom-Belegschaft offensichtlich zwischen den Fronten. Als einen "Spielball" sieht Belz heute die Firma und insbesondere ihre Arbeiter und Angestellten. Nach der Übernahme des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis durch das französische Unternehmen Sanofi "gibt es jetzt Begehrlichkeiten auf der deutschen Seite" - von Siemens.

Doch Belz will nicht akzeptieren, dass dadurch ausgerechnet die Arbeitsplätze in der Bundesrepublik gefährdet werden. Auf die Erklärung des DGB-Chefs Michael Sommer, der zufolge "Frankreichs Regierung die deutschen Interessen im Fall Siemens-Alstom mit Füßen tritt", reagiert der IG-Metaller Belz mit Unverständnis: "Der Mann wusste doch gestern noch nicht, wie man Siemens schreibt und was Alstom ist."

Auch die Behauptung des Siemens-Chefs, die Hilfen der französischen Regierung für Alstom führten zu Dumping-Preisen am Markt, will Belz nicht stehen lassen: "Wir stellen umgekehrt fest, dass Siemens systematisch versucht, die Alstom-Preise zu unterbieten." Auch der Vorwurf der zu massiven Industriepolitik, den Berlin gegenüber Paris erhebt, geht laut Belz ins Leere: "Ich bin kein Anhänger der freien Marktwirtschaft. Die Politik hat die Verpflichtung, sich in die Wirtschaft einzumischen. Und wenn Steuergeld fließt, dann will der Staat auch ein Ergebnis sehen - und keinen Ausverkauf." Im Übrigen sei der Industriestandort Mannheim im Kraftwerksbau selbst ein erfreuliches Ergebnis von Industriepolitik: "Der Ursprung war der Bau des städtischen Elektrizitätswerks Mannheim 1898-99. Damals bekam BBC aus der Schweiz den Zuschlag nur mit der Auflage, dort eine Fabrik zu errichten."

Ein erheblicher Teil der Arbeit des Betriebsrats Belz besteht in Lobby-Politik um Jobs zu verteidigen. Die Erfahrungen sind höchst unterschiedlich. Oft hätten sich der Mannheimer Oberbürgermeister Gerhard Widder, der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Mark und der SPD-Europakandidat Peter Simon optimal eingesetzt, "den Türöffner gespielt". Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Fritz Kuhn, habe nicht einmal Zeit für einen Termin gefunden. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst-Ulrich von Weizsäcker fragte zum Auftakt eines Treffen: "Gibt's denn einen Alstom-Betrieb in Stuttgart?" Antwort: "Ja, in Obertürkheim." Der SPD-Mann: "Das ist nicht mein Wahlkreis." Es habe dann noch Smalltalk gegeben, doch dann, sagt Belz, "haben wir von dem nie mehr was gehört".

Als Gerhard Schröder am 18. Mai auf einer SPD-Wahlveranstaltung in Mannheim war, konnte der Betriebsrat ein Gespräch mit dem Kanzler führen. Udo Belz äußert diplomatisch-optimistisch: "Festgehalten wurde, dass beide Seiten sich für den Erhalt der Arbeitsplätze von Alstom in Deutschland einsetzen. Für Juni wurde ein weiteres Gespräch zwischen Kanzler und Betriebsrat in Berlin vereinbart."

Früher haben
sich manche
Bürger an den
Kopf gelangt,
wenn wir in
die Mannheimer
Innenstadt gezogen
sind. Heute wird
oft geklatscht.

Letzten Endes aber, sagt Belz, wird die Verteidigung der Arbeitsplätze vor allem Sache der Belegschaft sein. Weit mehr als früher habe die Mannheimer Bevölkerung heute Verständnis für deren Kampf, der nunmehr seit 1988 andauere: "Früher haben sich manche an den Kopf gelangt, wenn wir in die Mannheimer Innenstadt zogen. Heute wird oft geklatscht." Dabei geht es im Weltkonzern Alstom vor allem um die Kooperation der unterschiedlichen Belegschaften in den verschiedenen Ländern - und in erster Linie um die Kooperation mit den französischen Kolleginnen und Kollegen.

Belz beschreibt, wie schwierig die Zusammenarbeit ist, wie oft die Arbeiter gegeneinander ausgespielt werden, wie wichtig es ist, zunächst einmal die unterschiedliche Kultur bei der Belegschaftsvertretung kennen zu lernen: "Als wir unsere erste Sitzung des Eurokonzern-Betriebsrats hatten, da wollten die Franzosen, dass der Konzernchef den Vorsitz übernimmt. Das haben wir zuerst mal nicht kapiert, aber respektiert."

Im vergangenen Sommer gab es eine gemeinsame Aktion in Paris für den Erhalt aller Arbeitsplätze im Weltkonzern Alstom. Das war für Belz ein wichtiges Signal "Das hat sich ausgesprochen positiv auf den Zusammenhalt ausgewirkt." Auf der CD klingt das so: "Tous ensemble dans la lutte / Alle gemeinsam, komm mach mit!"



 

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