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Pressespiegel
22.06.2008
Artikel über die illegalen Aktivitäten der ehemaligen COLONIA DIGNIDAD in der chilenischen Zeitung La Nación vom 22. Juni 2008
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La Nación Domingo, 22.06.2008
Die nicht gelösten Rätsel der Enklave, enthüllt von Klaus Schnellenkamp

"Die anderen Geheimnisse der Colonia Dignidad"

E
rstmals spricht einer der letzten Chefs der Colonia Dignidad und Sohn von Kurt Schnellenkamp, dem rechten Arm von Paul Schäfer, über die dunkelsten Geheimnisse besagten Ortes. Waffenhandel und Verwendung von Giftstoffen, die Beziehungen zu Schwarzhändlern und die Gelder der Kolonie. Geheimnisse über Geheimnisse.

Von Luis Narváez 

Das einzige, was Klaus Schnellenkamp (35) bei seiner fast dreistündigen Erzählung innehalten ließ, war eine düstere Erinnerung, die traurigste seines Lebens und die ihn aufwachen ließ aus dem Albtraum, in den er hineingeboren wurde und aus dem er von jenem Moment an aufwachen wollte. Er erinnerte sich an seinen Vater Kurt, der ihn anschaute, während eine Krankenschwester ihm ein Beruhigungsmittel spritzte. Kurz darauf, als Klaus die Augen öffnete, hatte er sich im völligen Dunkel einer Holzkiste eingesperrt wiedergefunden, weder mit Sauerstoff noch mit Platz, sich zu bewegen.

„Mein Vater hatte mir gesagt, dass sie mich lebendig in einem Sarg begraben würden, wenn ich den Befehlen von Paul Schäfer nicht gehorchte, damit ich mit dem Teufel stürbe“, erzählt er. Nachdem er sich bei dem Versuch, jenem Todeskampf zu entfliehen, schwere Verletzungen an den Händen zugezogen hatte, fiel Klaus in Ohnmacht. „Ich dachte ich sei tot“, sagt er und unterbricht seine Erzählung mit der Hand am Mund, leuchtenden Augen und den Blick zu Boden gerichtet. Hiernach erinnert er nur noch, dass jemand den Deckel öffnete und das erste, was ihm erschien, war der „tío permanente“ (ewiger Onkel), mit seinem üblichen Lächeln und seinem Glasauge.

Klaus ist das jüngste der acht Kinder von Kurt Schnellenkamp, einem der Mitglieder des harten Kerns rund um Schäfer, der in erster Instanz wegen seiner Komplizenschaft in Fällen von Kindesmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen verurteilt wurde. Zum ersten Mal ist er bereit zu sprechen, nachdem er 2005 entschieden hatte, die Villa Baviera zu verlassen. Nach Schäfers Festnahme in Argentinien legte er das hohe Amt nieder, das er in der neuen Struktur der deutschen Enklave in Parral innehatte und tauchte in München unter.

Es fällt ihm immer noch schwer, unbeschwert zu sprechen. „Diese Leute sind Profis wenn es um Rache geht. Ich fürchte sie nicht, aber ich möchte ein ruhiges Leben führen. In der Kolonie überlebte ich jeden Tag, heute kann ich sagen, dass ich gerade zu leben begonnen habe.“

München ist die Hauptstadt Bayerns, eines katholischen, konservativen und dem am zweitdichtesten bevölkerten der heute zu Deutschland gehörigen Bundesstaaten. Zwischen den Bauten aus dem Hochmittelalter am Marienplatz erheben sich modernste Gebäude. An die neun Kilometer mit einer der S-Bahnen, die den gesamten Großbereich der Stadt abdecken, entfernt liegt ein kleines Dorf mit etwa tausend Einwohnern. Geht man zwischen den gepflegten Gärten und zweistöckigen Häusern entlang, gelangt man zu dem Häuserblock, den Klaus für sein neues Leben auserwählt hat. „Es ist ein ruhiger Ort, fernab des Stadtlärms und in der Nähe meines derzeitigen Arbeitsplatzes“, berichtet er.

Unbestrafte Grausamkeiten

Er wohnt in einer zum Innenhof gelegenen einstöckigen Wohnung ohne einen Hauch von Moderne. Ein Sofa französischen Stils, ein größeres Einpersonenbett, ein Schreibtisch und ein Glastisch. Es gibt einen Plattenspieler („den hat mir mein Chef geschenkt, klingt sehr gut“, erklärt er) und eine kleine Plattensammlung, die nur aus bayrischer Musik und der eines berühmten deutschen Sängers aus den 60ern besteht.

Er ist ein ruhiger Mann, der jeden Moment und alles, was vor seinen Augen passiert, zu genießen scheint. Bei einem kleinen Spaziergang um den Häuserblock zeigt er auf jede Pflanze und jeden Baum, als handele es sich um ein einzigartiges Schauspiel. Und im Supermarkt erfreut er sich eines jeden Produkts, das er in den Regalen findet, jetzt wo er sich frei fühlt, zu wählen. Zum Abendessen gibt es Hering, einen typischen Fisch aus der Nordsee, mit leicht süßlichen Kartoffeln, Gurken und hartgekochten Eiern in weißer Soße, alles kalt. „Typisch deutsches Essen, sehr gut, ich mag es; jetzt kann ich alles essen, was ich will und muss nicht mehr um ein Stück Brot oder eine zusätzliche Portion Reis kämpfen“, erklärt er unter einem heftigen und fast kindlichen Gelächter.

Klaus Schnellenkamp entschied sich, mit La Nación Domingo und damit erstmals mit einem chilenischen Medienvertreter zu sprechen. Er ist nicht irgendein Ex-Siedler. Zu der Tatsache, der Sohn von „don Kurt“ zu sein, wie er seinen Vater nennt, kommt hinzu, dass er seit Schäfers Flucht, als er 25 war, wichtige Ämter in der Enklave innezuhaben begann, die kaum niedriger waren als die der anderen Führungsmitglieder, die um die Machtpositionen in der Kolonie gekämpft hatten, nachdem entschieden worden war, dass der Schöpfer und Anführer aus Chile fliehen müsste.

Von dieser Stellung aus konnte er die Macht, die die Gruppe sogar noch nach dem Eingreifen der Justiz im Jahr 2002 innehatte, nicht nur kennen lernen sondern zum Teil sogar auch ausüben.

Dieser 1972 in der Villa Baviera geborene junge Mann war Zeuge von Ereignissen, über die nie gesprochen wurde, die nie angeklagt und noch nicht untersucht worden sind. „Bezüglich des Waffenthemas wurde gesagt: wir haben einige wenige gefunden und sie zerstört und das ist alles. Aber in Wirklichkeit ist das nicht alles, man hat keinerlei Untersuchungen wegen der anderen Waffen eingeleitet, die ihren Weg durch die Kolonie fanden, oder wegen des Handels und der Gelder“, erklärt er.

Schnellenkamp fragt sich, warum einige Straftaten nach so vielen Jahren und obwohl die Gräueltaten, die sich im Inneren ereignet haben, bekannt sind, noch immer nicht bestraft wurden und niemand etwas unternimmt. Früher, so erinnert er sich, und trotz der internationalen Kenntnis der Missbräuche, „hat keine Regierung sich um die Hunderten von den Siedlern selber missbrauchten Kinder gekümmert. Viele derjenigen, die in der Colonia Dignidad waren, starben an Krebs. Andere leiden heute unter dieser Krankheit. Und ich frage mich: wie kommt es, dass Personen, die nicht rauchen, nicht trinken und sich gesund ernähren, auf diese Weise ums Leben kommen?“.

Der junge Mann verfügt über Informationen über die Verwendung giftiger Stoffe und Chemikalien wie Abustox bei einigen landwirtschaftlichen Tätigkeiten sowie über die Verschmutzung des Wassers, das sie jahrelang aus einem Brunnen erhielten. Es war dasselbe Wasser, das zur Herstellung einiger der Produkte verwendet wurde, die das vielbesuchte Restaurant „Casino Familiar“ in der Ortschaft Bulnes verkauft.

Er sagt, dass in der Colonia Dignidad in einem Labor, dass Doktor Hartmut Hopp hatte, Experimente mit Chemikalien durchgeführt wurden und dass die von der Justiz entdeckten Container mit giftigen Substanzen nur die Spitze des Eisbergs von dem waren, was wirklich an jenem Ort gelagert wurde und noch immer versteckt wird. Aber es werden nicht nur Chemikalien versteckt, sondern noch gefährlichere und schädlichere Stoffe.

Wo? Klaus erklärt: „In Wirklichkeit existierten zwei Kolonien; die eine ist die, die alle kennen gelernt haben, die der Päderastie, der Menschenrechtsverletzungen, die mit einigen Bunkern. Aber es gibt noch eine andere, die näher an den Kordilleren gelegen ist, in der sich viele andere Dinge ereignet haben und wo bisher niemand Untersuchungen hat durchführen wollen.“

Alle Informationen, die Schnellenkamp La Nación Domingo mitteilt, stimmen mit denjenigen überein, die andere Zeugen, die in der Villa Baviera waren, beigesteuert haben und sie liefern Erklärungen für das, was während der 50 Jahre geschehen ist, in denen der Ort bestand.

Waffenhandel

Einer der zentralen Hinweise, die Klaus Schnellenkamp gab, war dass Carlos Honzik, Waffenhändler und derjenige, der jenes kontroverse Geschäft abwickelte, bei dem Chile im Jahr 1994 25 Mirage5-Flugzeuge aus Belgien kaufte, ein enger Kollaborateur Schäfers und persönlicher Freund von Kurt Schnellenkamp war. Aber Honzik, der 2003 verstarb, verwendete bei den Geschäften mit der Führungsriege der Enklave nicht seinen echten Namen. „Der Honzik, der erwähnt wird, war Carlos Seibel, der sehr oft kam, immer auf Deutsch sprach und ein Partner von Gerhard Mertins war.“

Letzter ist ein Waffenhändler, der seit den 50er Jahren bis zu seinem Tod 1993 auf der ganzen Welt illegalen Handel mit Rüstung betrieb. Mertins, ein ehemaliger deutscher Offizier, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatte, war, so Schnellenkamp, Partner der Kolonie in einigen ihrer Geschäfte, obgleich er seine zentrale Basis in Mexiko hatte. Von dort musste er jedoch 1984 fliehen, nachdem man ihn mit dem Mord an dem Journalisten Manuel Buendía in Zusammenhang gebracht hatte. Nach dem jungen Mann übernahm zu jener Zeit Honzik Mertins Geschäfte in Mexiko und sein eigener Vater reiste mehrmals in jenes Land, um ihn zu treffen.

Nach Informationen, zu denen La Nación Domingo in Deutschland Zugang hatte, wird Mertins in offiziellen Regierungsdokumenten, die für einige humanitäre Einrichtungen freigegeben wurden, als Agent des BND erwähnt, der über die Tätigkeiten informierte, die er an verschiedenen Orten der Welt realisierte.

Honzik besuchte unterdessen nach dem Mertins Tod einige Male die Kolonie und er veranlasste sogar, dass in der Enklave einige der Ersatzteile produziert wurden, die man benötigte, um in Chile Mowag-Wagen zu bauen, nachdem Famae die Lizenz zu ihrer Herstellung erhalten hatte.

Der Sohn von Kurt Schnellenkamp fügt hinzu, dass die deutsche Regierung mit der chilenischen Militärdiktatur kooperierte, um zu scheinbar friedlichen Zwecken Projekte zur Förderung der Nuklearenergie zu unterstützen. Allerdings berichtet ein weiteres, jüngst von dem Publizisten Friedrich Paul Heller (Autor des Buches „Lederhosen, Dutt und Giftgas: die Hintergründe der Colonia Dignidad“) veröffentlichtes Dokument von den Bemühungen der Gesandten des Militärregimes, hohen Armeeoffiziere und Vertretern der Colonia Dignidad, die von der Kommission für Atomenergie geladen worden waren.

Soweit bekannt ist, wird keine dieser Informationen in der Untersuchung des Richters Jorge Zepeda erwähnt, die seit nunmehr einigen Wochen geschlossen wurde. Nur eine Anordnung des Berufungsgerichts von Santiago erwirkte, dass Zepeda einige Maßnahmen einleitete, doch zwei Wochen später wurde die Voruntersuchung erneut ad acta gelegt.

Schwarzgelder

Auch das Vermögen der Kolonie wurde von dem Gericht nicht untersucht. Nach Schnellenkamp handelt es sich um enorme Summen, die zum größten Teil aus illegalen Quellen stammen, und er fügt hinzu, dass die im Ausland erwirtschafteten Beträge ebenfalls nicht in Chile deklariert wurden, was zumindest ein Steuerdelikt impliziert.

Wie haben sie von den illegalen Aktivitäten der Colonia Dignidad erfahren?

Weil ich nicht dumm bin. Ich war kein Augenzeuge, aber es gibt viele Dokumente, die Hans Jürgen Blank, der Chef in juridischen Angelegenheiten, zur Verteidigung in diesen Anklagepunkten verfasste. Und in diesen Dokumenten habe ich diesbezüglich viele Informationen gelesen. Zum Beispiel, dass 27 Tausend Dollar für die Ermordung politischer Gefangener gezahlt wurden.

Wie kann das bewiesen werden?

Ich habe ein Dokument von Schäfer gesehen, das mit Blank, der an Krebs gestorben ist, verfasst worden war, und daneben gab es eine Notiz, die besagte, man müsse mehr Daten sammeln, um die Anschuldigung abzuwenden, dass 27 Tausend Dollar gezahlt worden seien.

Wann haben Sie das erfahren?

Kurz nachdem die 40tägigen Durchsuchungen der Kolonie beendet waren. Es war, als sie eine Tür fanden. Schäfer war zu der Zeit schon in Buenos Aires.

Gibt es Zeugen für die Zahlung dieser Gelder?

Ich habe mit Blank gesprochen, nachdem ich die Notiz auf dem Zettel gelesen hatte, weil er geschrieben hatte, dass wir mehr Argumente sammeln müssten, um die Anschuldigung zu dementieren. Er sagte, dass alles teuflische Lügen seien. Dann sagte ich zu ihm: „Herr Blank, vor drei Jahren haben Sie gesagt, dass das Gerede von dem Missbrauch [von Kindern] durch Schäfer auch alles teuflische Lügen gewesen seien. Ist es jetzt auch gelogen, dass Sie 27 Tausend Dollar erhalten haben?“. Er sagte dann, dass diese Dinge nichts mit der Päderastie Schäfers zu tun hätten. Und ich antwortete ihm mit der Frage, warum alle Welt dies seit vielen Dekaden akzeptierte, wenn sie wussten, dass Schäfer die Kinder missbrauchte.

Warum glauben Sie, hat trotz des Missbrauchs und der Verbrechen niemand etwas unternommen?

Ich werde Ihnen dasselbe sagen, was ich damals zu Blank gesagt habe. Es hat immer zwei Kolonien Dignidad gegeben: eine ist die Kolonie der Pädophilie, die der Sekte. Die andere ist die sogenannte politische Prostituierte auf höchster Ebene.

Und was hat diese zweite Kolonie getrieben?


Es gibt ein internationales illegales Geschäft mit hochentwickelten Waffen, die der Herr Gerhard Mertins über geheime Wege und auch über die Filialen, die er in der Kolonie und in Mexiko hatte, in den Mittleren Osten schaffte. Was die 27 Tausend Dollar angeht, kann ich Ihnen sagen, dass ich in der Zeit, in der [Erwin] Fege und [Brigitte] Malessa flohen und die Kolonie erpressten [1998] drei heftige Diskussionen mit Blank hatte. Es gab eine Diskussion vor der gesamten Kolonie und Hopp sagte, es handle sich um eine Erpressung. Ich fragte, womit man uns erpresste. Ich bekam von allen Seiten Ärger und alle sagten, ich sei vom Teufel besessen. Aber ich blieb am Ball: warum zahlen Sie den Geflohenen Hunderte von Millionen Schweigegeld? Worüber sollte geschwiegen werden: über die teuflischen Lügen, über die von der Polizei entdeckte Tür, die illegalen Geschäfte, die mein Vater mit Mertins trieb oder mit Carlos Seibel, besser gesagt: Honzik, oder über die Verseuchung unter dem Boden der Kolonie?

Was für eine Verseuchung meinen Sie?

Hier werden große Teile des chilenischen Ackerlands verseucht, dass ist eine öffentliche Gefahr für Leute, die davon nichts wissen. Wir verkaufen unsere Produkte im Casino Familiar in Bulnes. Wer kann sagen, dass dieses Wasser nicht mit bestimmten Chemikalien verseucht ist? Nach und nach wurden Leute umgebracht. In der Kolonie ist die große Mehrheit der Personen an Krebs gestorben. Auf einem Gelände, wo niemand raucht, wo niemand trinkt, weil es eine Sünde ist, wo es keine industrielle Verschmutzung gibt. Warum sterben in dieser gesunden Welt alle Leute an Krebs? 1985 gab es einen Herrn mit einem Geigerzähler und bis heute weiß man nicht, was aus ihm geworden ist.

Meinen Sie Boris Weisfeiler?

Ja, er war beauftragt worden, mit dem Zähler aufzuzeichnen, ob es Radioaktivität in der Nähe der Kolonie gab.

Was für einen Sinn konnte die Verseuchung haben, wenn alle Arbeiter und Siedler genau dort wohnen?

Es gibt in der Kolonie andere Gifte. Zum Beispiel wurde in der Landwirtschaft jahrzehntelang tonnenweise Abustox verwendet. Dieses Abustox war eine Substanz, die die US-amerikanische Armee während des Vietnamkriegs verbreitete, um die Wälder zu vernichten. Ein weiterer Punkt ist, dass das Brunnenwasser, mit dem auch die Produkte des Casino [von Bulnes] hergestellt werden, mit vielen Stoffen verseucht ist und umgehend von den Gesundheitsdiensten verboten werden müsste. Denn die Produkte, die dort verkauft werden, werden Vorort in der Villa Baviera hergestellt.

Haben sie Carlos Honzik kennen gelernt?

Ja. Er war Carlos Seibel, ein Freund meines Vaters.

Warum kam er in die Kolonie?

Er war ein Waffenhändler der Kolonie. Ich habe in den Dokumenten von Blank über ein Geschäft gelesen, bei dem [Franz Josef] Strauss, der ehemalige Ministerpräsident Bayerns, Flugzeuge verkauft hat, die mit einem Mechanismus zum Abwerfen von Bomben ausgestattet wurden, das schlussendlich in den Iran verkauft wurde. Strauss erhielt durch diesen Verkauf eine Provision über 100 Millionen Deutsche Mark und die Kolonie unterstützte Strauss dabei. Durch dieses Geschäft gab es eine Verbindung zur CSU, der Partei hier in Deutschland. Strauss verkaufte mit Unterstützung der Kolonie Flugzeuge an Pinochet. Pinochet beauftragte Fernando Matthei, diese F-5 Flugzeuge in den Iran zu verkaufen, aber mit dieser neuen Möglichkeit, die später angebaut wurde, um Splitterbomben zu transportieren. Eines dieser Flugzeuge stürzte ab und da gab es diesen zweiten Mann der iranischen Luftwaffe, Herrn Mohamed Husseini, der schwer verletzt wurde, und es war ein Geschäft großen Ausmaßes. Und genau in dem Todesjahr von Strauss änderte die Colonia Dignidad ihren Namen in Villa Baviera.

Aber geschah das nicht wegen der Aberkennung der juristischen Person?

Wegen dieser Aberkennung gründete die wohltätige Einrichtung die Gesellschaften Abratec, Cerro Florido, Transportes Esperanza, die Unternehmungen Perquilauquén, die Firma Rarinco, Prodal. Ursprünglich waren es Scheinfirmen. Abratec sollte eine Filiale von Abracor, einer Firma, die in Belgien Elektroden herstellt sein. Aber sie wurden festgenommen. Carlos Seibel unterstützte das alles sehr. 

Haben Sie Seibel je persönlich gesehen?

J
a, jeder hat ihn gesehen. Wir mussten singen, wenn sie kamen. Das taten wir auch bei Walter Rauff, Friedrich Heim; Obernazis, die die Kolonie besuchten, aber wir wussten damals nicht, wer sie waren. Aber als ich später die Dokumente von Blank las, da erfuhr ich es.

War nur Seibel an den Waffengeschäften beteiligt?

Die Flugzeuge kamen ursprünglich aus den USA, ebenso wie die Mowag-Wagen und die SiG Gewehre [die die Kolonie herstellte]. Die Mowag kamen aus der Schweiz, das hat mit Seibel zu tun. Dieser hatte auch mit den Geschäften in Mexiko zu tun; nachdem Mertins ausgewiesen wurde, war Carlos Honzik sein Nachfolger.

Gibt es noch etwas, was nicht gründlich untersucht worden ist?

1998 gab es viele Durchsuchungen in der Colonia Dignidad. 40 Tage lang waren sie da. Dann zogen sie sich zurück. Glaubst du, dass sie 40 Tage lang nach Schäfer gesucht haben? Die chilenische Polizei ist nicht dumm. Sie suchten nach Bunkern und fanden eine sehr massive Tür und versuchten, sie zu öffnen. Einer der Polizeichefs wollte die Tür öffnen.

Wer war dort?

Investigaciones (Geheimpolizei) und Carabineros (Polizei). Einer wollte sie öffnen und der Polizeichef sagte, dass zwei Dinge geschehen könnten: entweder alle würden augenblicklich sterben oder alle würden ihren Job und Karriere verlieren. Und bis heute ist diese Tür verschlossen. (LV)

(deutsche Übersetzung via Organisation "Fügelschlag")


 


Lesen Sie als PDF das Schreiben von Lothar Mark an Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier, in dem er Bezug auf den Artikel von La Nación nimmt und um eine Positionierung des Auswärtigen Amtes zu den genannten Sachverhalten bittet.  



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